Alles Drin Tasche

Das ist quasi ein Nachtrag! Ewig hats gedauert aber fast genauso lange ist sie nun schon ungezeigterweise fertig. Meine erste und bisher einzige selbst genähte Tasche. Die Alles Drin Tasche von Farbenmix.
Zunächst einmal noch vielen Dank für die lieben Kommentare zu meiner Urlaubsberichtsreihe „Indonesien mit Baby“ und zu den vielen Verlinkungen zu meiner Urlaubslinkparty und natürlich der Linkparty für Werke nach kostenlosen Schnittmustern!

So also. Von Vorne. Die ganze armselige Geschichte. Zunächst habe ich irgendwann im Sommer 2013 (ich glaube ca Juli?) das Schnittmuster erstanden. Dann ging die Stoffsuche los. Für den Innenstoff hatte ich mich schnell entschieden, denn der war im Angebot. Schwarz mit pinken Herzchen. Der Außenstoff war schon schwieriger. Ich mags irgendwie grad bunt. Aber so eine selbstgenähte Tasche soll ja zu allem passen. Also doch schwarz? Meine Tasche die ich immer benutze ist schwarz. Brauche ich überhaupt eine Tasche weil ich renne die nächste Zeit ja eh nur mit riesen Wickeltasche durch die Gegend… So waren meine Überlegungen. Schließlich kam der Stoffmarkt. Ich kaufte genug Stoffkombinationen für mindestens 3 Taschen, inklusive Gurtband. Den Innenstoff warf ich wieder über den Haufen. Es folgten mehrere Wochen und schlaflose Nächte durch Baby und Stoffüberlegungen. Dann entschied ich: Ok, ich nehm doch den schwarz-pink beherzten Innenstoff. Und schnitt zu. Und versuchte das Vliesedings aufzubügeln.

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Zum Bügeln war ich ja damals irgendwie zu doof. Inzwischen habe ich eine oder zwei wage Vermutungen, warum das Aufbügeln hier nicht geklappt hat. Und zwar, erstens hatte ich eine recht feste Vliesedings gekauft. Ich wollte nämlich eine sehr stabile Tasche und nicht so ein weiches Beutelchen. Außerdem weiß ich nicht, ob mein altes kaum genutztes Bügeleisen heiß genug wurde. Und dann hab ich eventuell nicht lange genug auf einer Stelle gebügelt, wobei es mir EWIG vor kam. Und schließlich, und das dürfte dann doch der Hauptgrund sein: Ich habe gebügelt und dann sofort geschaut ob es schon fest ist. Also heiß gemacht, abgezogen. Hält nicht. Heiß gemacht, hälts jetzt? Nee. usw bis wohl kein Kleber mehr drauf war! Mir hat aber auch keiner gesagt dass man die Pfoten weglassen soll bis der Kram kalt ist… Später bei der U-Heft Hülle hat das Bügeln wesentlich besser geklappt. 

Nach den erfolglosen Bügelversuchen habe ich den zugeschnittenen Innenstoff erst mal wieder in die Ecke gepfeffert. Auf einen Außenstoff habe ich mich ja sowieso noch nicht festlegen können. So lag lange Zeit der zusammengeknüllte Haufen Innenstoff in einer Ecke meines Nähplatzes, der damals noch nicht im Keller war. Also eher gesagt habe ich für jede Mahlzeit ein kleines Stückchen Tisch freiräumen müssen… 😀

Aber ganz vergessen hatte ich den Stoffhaufen nicht. Es wurmte mich doch ein bisschen. Und ich wollte doch AUCH eine Tasche haben. Auf dem Blogs sah und sieht man immer so tolle. Eigne ich mich nur für Klamotten? Ein Jerseytyp durch und durch???

Bei einem der häufigen Streifzüge durch den Jungle des örtlichen Stoffdealers fand ich mich am Ständer mit den Kunstlederwasserabweisendenriesenrollen wieder. Uh, wasn das. Verdammt, daraus könnte man eine Tasche nähen! Nach einigem Hin und Her kaufte ich schwarzes leicht genopptes Kunstleder. Das ist der Außenstoff! Da führt jetzt kein Weg mehr dran vorbei. Denn es war teuer, das künstliche Leder. Und was sollte ich schon sonst daraus machen? Außerdem nahte das Elternbloggercafé. Da wollte ich schon mit eigenem Täschchen aufkreuzen!!!

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Also zugeschnitten. Vorderseite betüddelt mit Frankfurter Webband und Spitze und Paspel. Wenn schon denn schon. Wenn ich schon so eine Tasche nähe dann will ich zum Kuckuck noch mal auch ne Paspel ringsrum und vorne drauf! Zusammengesteckt. Laut geflucht. Das Vliesedings hielt nicht. Also festgenäht, kreuz und quer nach dem Motto, halte oder stirb!!! So. Schon mal versucht mit ner 80er Ledernadel mehrere Schichten Kunstleder, dickes Vliesedings und Innenstoff zusammen zu nähen? Ich dachte ich drehe durch. Verbissen hab ich das Ding IRGENDWIE fertig genäht. Besser nicht fragen. So. Wenden. Dazu sag ich jetzt einfach mal nix. Mein Blutdruck schnellt schon wieder hoch.

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Beim Annähen der kleinen Schnippel mit den D-Ringen, in die ich dann den Träger einhaken wollte und die eigens ausgedachten Klettdingis damit die Tasche auch am Kinderwagen hält, wäre ich beinahe nochmal verrückt geworden. So viele Schichten! Nähmaschine war völlig überfordert und hat sich selbst ausgeschaltet mit den Worten dass sie überhitzt wäre. Mein Mann wäre in dem Moment auch fast überhitzt. Da schrottet sein doofes Frauchen fast die neue coole Maschine. Für einen Halbmaschinenbauer ein Greuel. Also mit DER HAND weiter genäht. Zum Glück war im Fundus der Schwiegeromanähkästchen eine Ledernadel zum Handnähen. Hat ja nu auch nicht jeder Zuhause. Dann war der Korpus fertig und ich mit den Nerven am Ende.

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So. Nun die Gurtbandstücke mit Webband verziert und Klett dran und dann dran haken und dann an den Kinderwagen… scheiße, Klett zu kurz! AHHHHHHH!!! Hält nicht am Kinderwagen!
Aber man kann den Klett aufeinander kletten und erhält wenigstens vorübergehend einen durchgängigen Trageriemen. Somit beschließe ich, die Tasche ist fertig. Gerade rechtzeitig um mit nach Düsseldorf zum Bloggertreffen zu fahren. Hier konntet ihr sie aus der Ferne schon bewundern.

Die Entstehung der Tasche zog sich also von Juni 2013 bis Januar 2014!!!
Bis zum heutigen Tag ist noch kein richtiger Trageriemen angebracht und ich nehme Abstand davon, jemals wieder eine Tasche zu nähen. Aus Kunstleder. Glaub ich. (Sophia braucht eine Tasche für die Krippe. Und ich will ne Schnabelina Bag… eventuell. Wenn ich diese Tasche hier mental verarbeitet habe.)

Dieses Langzeitprojekt geht nun definitiv zu RUMS!
Und ich möchte mich noch für die bescheidenen Fotos entschuldigen. Die sind mit dem Handy schnell geknippst weil ich ENDLICH diesen Taschenpost posten wollte. Und der privatpersönliche Nähfroschfotograf hat es irgendwie nicht geschafft die Fotos zu machen bzw dann auch zu bearbeiten. Seit Januar. *winkmitdemzaunpfahl* 😉

 

 

19 Gedanken zu “Alles Drin Tasche

  1. Die Tasche ist toll geworden – ich mag das Kunstleder total! Und das Frankfurt-Band ist der Hit – wäre ja interessant ob es das auch für Wien findet!

    Liebe Grüße,
    Tina

  2. Aber es hat sich gelohnt, daß Du Dich durchgebissen hast! Mit dem Kunstleder stell ich mir auch schwierig vor. Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen!
    LG Mel

  3. Entschuldige, ich habe Tränen gelacht, ich liebe deine Berichte <3 Und ist dochganz toll geworden dein Langzeitprojekt, nur Mut, die anderen Sachen bekommst du auch hin!
    Ich finde Jersey eigentlich viel widerspenstiger, Baumwolle bleibt wenigstens liegen 😉
    Lg Kristina

  4. Da hat sich die Mühe aber voll und ganz gelohnt! Das Weband mit der Spitze sieht echt klasse aus auf dem schwarzen Kunstleder!
    Ich weiß noch, wie ich bei meiner ersten Tasche geflucht habe … mittlerweile macht mir das Taschennähen Spaß. 🙂
    Liebe Grüße, Damaris

  5. Oha mn, das ist mal ne Geschichte 😀 Aber ich wette du hast viel gelernt 🙂 Sieht ja auch echt klasse aus die Tasche, man merkt ihr nichts mehr an 🙂 Ich kämpfe auch oft mit Taschen, gerade mit den vielen Stofflagen… Und Vlies aufbügeln ist auch eine Tortour wenn du mich fragst! 🙂 Naja, wer schön sein will… 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  6. Meine erste Tasche war auch eine AllesDrin. Aber dass Du gleich mit Kunstleder startest- da hast Du es Dir ja extra schwer gemacht!
    Das Material sieht sehr schön aus, gut, dass Du genau darauf gewartet hast!
    Und Ende gut – Alles(drin) gut!
    Das wird nicht Deine letzte bleiben… ;O)

    Liebe Grüße
    Ina

  7. Die Tasche ist super geworden!!!
    Toll!
    Und mit DER Geschichte dahinter ist sie jetzt was ganz besonderes 😉
    Ich hätte wahrscheinlich aufgegeben oder mich mit was Halbfertigen zufrieden gegeben.
    Daher: Respekt und die Mühe hat sich wirklich gelohnt!

  8. Hihihi… die Story könnte auch von mir sein! Taschen sind auch nicht mein Lieblings-Näh-Ding… Habe hier einen Haufen Sachen liegen die zugeschnitten sind oder kurz-vor-fertig. Mit der Hand nähen.. fuuurchtbar! Und die Lagen.. ich kannes mir mir vorstellen.. – aber … sie ist fertig. Immerhin 😉 Und sie sieht toll aus!
    Gaaanz liebe Grüße und einen tollen Start ins WE!
    kriss

  9. Hallo,

    ich als gute Taschennäherin hab einen ganz tollen Trick für die gewünschte Schnabelina Bag. Von Farbenmix gibt’s Taschenstoff. „Rom“ ist schon verstärkt und „Moskau“ sogar zusätzlich noch gefüttert. Also fällt der Vliesteil weg und ein erheblicher Teil des Frustpotenzials. Die Stoffe sind einfarbig, aber das lässt ja Raum für ganz viel betüddeln oder eine Tasche die zu allem passt.

    Vielleicht wird’s ja dann doch noch eine Taschenliebe…

    LG Anja

  10. Pingback: Stinktierbeutel | Nähfrosch

  11. Hallo! Ich bin auch gerade dabei, eine AllesDrin zu nähen und bin auf der Suche nach einigen Tipps für den Boden zufällig auf Deinen Bericht gestoßen. Nun sitze ich hier und kichere vor mich hin. Du hast Deinen „Krieg“ mit der Tasche wirklich SEHR plastisch beschrieben! Ich hoffe aber trotzdem, dass Du Dich überwindest, bei Gelegenheit weitere Taschen zu nähen, falls Du das nicht schon getan hast. Das ist nämlich eigentlich was ganz tolles. Ich hab schon zwei genäht und die dritte – eben die AllesDrin – ist in Arbeit. Aber bei Taschen gilt noch mehr als bei Kleidung „Gut Ding will Weile haben.“ Man muss da schon echt genau sein und die Anleitung lieber dreimal lesen – so geht es mir zumindest. Und dann macht man (will sagen: ich) trotzdem noch doofe Fehler.

    Abschließend noch ein dickes Lob für Dich: Die Tasche ist wunderschön geworden! Das Kunstleder ist natürlich der Hit; ich wusste gar nicht, dass es solches gibt. Und Deine Leidenschaft für Paspeln teile ich uneingeschränkt. 😉

  12. Pingback: Raus aus der Komfortzone, nähen mit Satin! - Nähfrosch

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