Siiri, Myyry und warum Termindruck doof ist.

Die zwei süßen Freunde Siiri und Myyry von Paapii Design aus Finnland haben mein Herz im Sturm erobert. Ich finde die beiden einfach total knuffig und pink ist der Stoff auch noch, was will man mehr. Sophia mag die zwei auch sehr gern, besonders weil ich mir gleich auch eine Marta gegönnt habe und wir nun im Partnerlook herumalbern können. Schnitt ist das Raglankleid von Klimperklein, diesmal ohne viel Getüddel um nicht von dem tollen Stoff abzulenken. Warum nun also der Zusatztitel „Warum Termindruck doof ist“?

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Ganz einfach. In den vergangenen paar Wochen gab es hier viele viele Kämpfe. Mama und Papa wollten pünktlich oder zumindest nicht völlig zu spät irgendwo ankommen und das Chaoskind wollte einfach NICHT. Einfach gar nichts wollte sie. Es endete also jeden Tag mindestens einmal so, das sich die komplette Familie anschrie. Kleine Kämpfe zwischen mir und Sophia waren Dauerzustand. Ein typischer Morgen sah also ungefähr so aus: Kind wacht auf, weigert sich aufzustehen. Kind will sich nicht ausziehen. Kind schreit. Kind will auch nicht ausgezogen werden. Kind will nicht angezogen werden. Kind schreit. Vor der Windel wird weg gerannt. Kind will nicht frühstücken. Kind schreit. Kind will nicht aufhören zu frühstücken. Kind will nicht ins Bad zum Zähne putzen. Kind wirft sich auf den Boden und schreit. Kind haut nach mir. Kind will nicht Zähne putzen. Kind will nicht die Jacke anziehen oder angezogen bekommen und sowieso nicht in den Kindergarten. Kind schreit. Kind will nicht die Schuhe anziehen oder angezogen bekommen. Kind schreit. Kind will die Treppe allein laufen aber irgendwie doch lieber nicht. Kind will nicht in die Nähe vom Auto und rennt durch die Straße. Kind will nicht in den Kindersitz. Kind brüllt die ganze Fahrt. Kind will nicht im Kindergarten die Jacke ausziehen. Kind brüllend, entnervt und zu spät bei augenrollenden Erziehern abgegeben, ich habe das Gefühl schreien zu müssen, die Hände zittern, die Nerven flattern und ich hab jetzt schon keinen Bock das schreiende Kind wieder abzuholen. Fazit: So gehts einfach nicht weiter! Weder Kind noch ich noch Mann halten das weiter so durch.

Woran könnte es also liegen? Erklärungen wie „nur eine Phase“, „Entwicklungschub“, „sie muss halt lernen zu gehorchen“… helfen nicht weiter. Ich habe nachgedacht, warum es alle 5 Minuten eskaliert und glaube etwas entdeckt zu haben. Kind wollte alles nicht, was ich durchdrücken wollte! Stets habe ich sie angetrieben, mit Blick auf die Uhr, um nicht zu spät zu kommen. Ist das etwa der Grund? Muss ich ein bisschen den Stock aus dem Hintern nehmen, es mit der deutschen Pünktlichkeit mal nicht so genau nehmen und Fünfe gerade sein lassen? Ein Experiment.

Heute morgen habe ich mit Sophia gekuschelt, ohne sofort zu nerven dass sie aufstehen soll. Ein schöner Tagesbeginn! Nach dem Aufstehen bin ich sofort ins alte Muster gefallen und wollte dass sie duscht (sie hat nachts ein bisschen gespuckt vom Husten, daher war Haare waschen notwendig). Sie wollte nicht, ich zwang sie irgendwann entnervt, es gab ein riesen Gebrüll das sich dann natürlich auch auf uns Eltern ausweitete. Stopp. So nicht. Wir kommen mit Gebrüll zu spät, wir können auch direkt zu spät kommen. Also hab ich sie erst mal im Bad sitzen lassen, nackig, und sie hat ein bisschen mit dem Badespielzeug gespielt. Dann hat sie den Pulli hoch gehalten und gesagt: „das ansiehn“. Super! So weit, so gut. Kind also völlig entspannt angezogen, beim Windel anlegen ein Lied gesungen. Dann in die Küche. Sie wollte noch nicht in den Kinderstuhl, alles klar, sie wollte einfach noch kurz in ihrer Kinderküche Frühstück machen. In der Zeit habe ich völlig entspannt die Spülmaschine eingeräumt. Dann haben wir zusammen den Tisch gedeckt, sie durfte ihr geliebtes Ei haben (dass sie immer nur schälen aber nicht essen will), haben Radio gehört, gequatscht und gegessen. Sie hat allein einen Joghurt aufgemacht und ohne kleckern gegessen. Nach dem Frühstück hab ich gesagt wir gehen jetzt ins Bad und putzen Zähne. Das fand jetzt erst mal keinen Anklang, klar. Wer hat da auch schon Bock drauf. Also hab ich gesagt, du darfst auf dem Handy das Lied mit der Maus schauen wenn wir jetzt schön Zähne putzen! Das funktioniert NICHT, wenn die Stimmung sowieso schon am hin und her kippen ist, da stellt sie sich einfach quer.  Heute hat sie mein Handy geholt, ist ins Bad gerannt, hat sich auf den Hocker gestellt, Handy zurecht gelegt und nach ihrer Zahnbürste verlangt. Es hat super geklappt, ich durfte auch ohne Protest nachputzen. Danach als das Lied fertig war, ist sie in den Flur gelaufen und meinte „Kigaden!“. Alles lief wie am Schnürchen nur etwas langsamer weil sie vieles selbst machen wollte. Aber wir saßen schließlich völlig entspannt im Auto und haben zusammen Lieder gesungen. Ich konnte ein strahlendes Kind abgeben und war selbst fast tiefenentspannt. Ok ich hatte ein etwas schlechtes Gewissen weil wir gute 20 Minuten zu spät waren. Mit Gebrüll waren es aber auch immer 15 Minuten, von daher. Der verwunderten Erzieherin habe ich erklärt, das wir in Zukunft halt mal häufiger zu spät kommen, wenn es für uns dafür Zuhause besser läuft. Sicherlich wird es sich einpendeln, so dass auch früheres Aufstehen hilft. Das hat es nämlich die letzen Wochen nicht, auch eine Stunde mehr hat nix gebracht weil letztendlich ja doch wieder der Termindruck irgendwann begann.

Mein Fazit also: Unbedingt lockerer werden. Jetzt nicht in dem Sinne ihr alles Durchgehen zu lassen, ein paar Grenzen braucht sie schon. Aber ich habe wieder mal bemerkt dass sie dabei ist, alles selbst zu entdecken und machen zu wollen. Aber dafür braucht sie die Ruhe dafür und halt eben ZEIT. Solange ich also noch den Luxus habe, nicht zum Job zu müssen, so soll sie ihre Zeit haben, die sie braucht. Natürlich sag ich ihr, lass mal jetzt dies und das machen. Aber wenn sie gerade dabei ist, noch etwas anderes zu tun, dann soll sie das erst mal fertig machen. Wir wollen ja selbst auch nicht permanent genervt und unterbrochen werden. Ich schreibe dies, damit ich mich selbst daran erinnere und es nicht in 2 Tagen wieder vergesse. Der Morgen war echt schön, wir haben viel gelacht und tolle Momente gehabt die sonst wegen Streit und Stress gar nicht mehr vorgekommen sind. Ich freue mich schon, sie heute Mittag abzuholen!

Weitere Geschichten vom Chaoskind findest du hier. Das Kleid oben werf ich noch rüber zu Kiddikram und Meitlisache!

14 Gedanken zu “Siiri, Myyry und warum Termindruck doof ist.

  1. Also erstmal – das Kleid ist total süß und wird deiner Kleinen bestimmt gut stehen.
    Und deine Worte sind toll! Vielen Dank für deine Ehrlichkeit – dass es eben nicht immer nur super läuft in anderen Familien, sondern eben ab und zu auch Zoff und Stunk gibt! Ich wünsche dir viel Durchhaltekraft! 🙂
    Alles Liebe,
    Tina

  2. Hallo Katja!

    Ich lese nun schon eine Weile hier, bei dir mit und heute muss ich endlich auch mal was schreiben! Mir gefällt deine Art zu schreiben und die bunte Mischung aus Nähen und Familienalltag sehr!

    Das könnte auch ein Morgen bzw. Tag bei uns sein … Meine kleine Maus ist im November zwei geworden und mittlerweile auch voll in der Trotzphase! Da kannst du dir den Mund fusselig reden – da hilft gar nichts! Bei uns im Moment der Renner: Sofa hüpfen, grrrr, macht sie auch gerade! Aber genau deine Linie versuchen wir auch zu fahren … Man muss sich echt am Riemen reißen und das klappt nicht immer, aber mit der Zeit wird man cooler … Wir haben noch die große Maus, die im Mai fünf wird und ich kann dir nur sagen, beim zweiten Kind wird man entspannter ;-)))

    LG Julia aus Nürnberg

  3. Hallo!
    Tolle Geschichte.. Ich erinnere mich gut (meine beiden sind mittlerweile 12 und 14.. Da sind andere Dinge Thema: z.B. „ist ein bauchfreies Top bei -4 Grad die richtige Kleidung?“).
    Wir hatten damals ein tolles Bilderbuch zum Thema: von Doris Dörrie “ Lotte will Prinzessin sein“ (am Anfang: Stress und Geschrei. Am Ende: Lotte und Mama gehen beide -zu spät natürlich- mit schicken Prinzessinnenkleidern in den Kindergarten /in die Arbeit). Sehr süß.
    Liebe Grüße und noch viel Geduld!

    Sybille

    • Das ist eine gute Idee. ich werde uns passende Kleider nähen damit wir wenigstens standesgemäß auftreten, wenn wir zu spät kommen 😀

  4. Tolles Kleid. Ich kenn das auch mit dem „selber machen“, aber noch nicht so augeprägt. Selber machen muss auch gelernt sein gell. Aber am Morgen wenn man zur Arbeit muss und die Zeit nicht unendlich zur Verfügung steht ist es manchmal schwierig.
    Lg Zwirbeline

  5. Also, das Kleid, das Du genäht hast, ist toll, ich liebe den Stoff ebenfalls, ist aber momentan unerschwinglich… Naja, bis dahin gibt’s noch genug andere Schätze im Schrank.

    Das mit dem „selber machen“… Meine Kleine ist jetzt fünf und so laaaaangsam haben wir einen geregelten und stressfreien morgen. Meistens… Und annähernd. Dran bleiben, dann wird es schon.

    Meine Große ist zwölf und ich kann sagen, bei ihr läuft es zügig und selbständig. Nicht aufregen, die Zeit regelt das. So wie vieles – im Elternbett schlafen, rumgetragen werden wollen, und so weiter.

    Liebe Grüße, Sophina

  6. Das erinnert mich doch schwer an unseren „Alltag“. Man sollte eben ab und an etwas entspannter sein. Und schon sind die Kleinen es auch. Auch beim Einkaufen oder *Ikeadurchschlendern*. Beim letzen Besuch dort haben wir DREI Stunden gebraucht. Aber sie durfte sich auch austoben und wir haben geduldig gewartet. War viel entspannter als ich es bei den anderen Familien dort beobachten konnte. Ich denke die Kinder waren alle neidisch das unser Kind (ohne Schuhe natürlich) in den Betten dort rumhüpfen durfte. Auch bei dem *ichschmeissmichaufdieErdeimSupermarkt* habe ich mich schon mal neben sie gelegt. Sie fand es lustig und die Zuschauer anscheindend auch.

    Das Kleid ist übrigens sehr schön geworden. Ich wünsche uns allen mehr Gelassenheit!

  7. Ein zuckersüßes Kleidchen! Den Stoff würde ich auch lieben.
    Als ich grade deine Geschichte gelesen habe, war ich heilfroh, dass ich nicht die Einzige bin, bei der der Tag so abläuft, bzw. abgelaufen ist. Bei meiner Großen war das auch so. Irgendwann hab ich erkannt, dass es bei ihr wirklich mit Entwicklungsschüben zusammenhing. Ich musste ihr nur an eine bestimmten Stelle (ok, das rauszufinden war nicht immer ganz leicht) mehr Freiraum lassen und schon ging es wieder entspannter zu. Das ist bis heute so, auch wenn sich das ganze nicht mehr so extrem äußert. Meistens jedenfalls.
    Ich bin sicher, du wirst das mit deiner Kleinen schon meistern. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Ruhe und Geduld.

    Schöne Grüße
    Andrea

  8. Huhu!!
    Ich lese hier ja auch schonmal öfter mit… Und ich finde deine Beschreibung heute super witzig… Klar, nervt es halt, wenn nichts so klappt, wie man sich das vorstellt, aber für die Kinder läuft es ja auch nicht so, wie die sich das vorstellen… 😉
    Ich lese gerade ein ziemlich gutes Buch. „Die kompetente Familie“ von Jesper Juul. Eigentlich bin ich absoluter Erziehungsratgeber Gegner. Aber die Sachen von Jesper Juul sind einfach total super. Der ist Familientherapeut und hat selber 4 (oder 5?) Kinder. Und er beschreibt Situationen, die man echt kennt und er beschreibt, wie man es mal anders ausprobieren könnte… mir fällt soooo oft auf, dass es ja eigentlich viel logischer ist, wie der das erzählt.
    Und der ist nämlich auch so ein entspannter.
    „Bauchfrei raus bei -4 Grad? Okay, mach es. Wenn ich dich beraten darf?“ … „Pack dir noch was warmes mit ein.“ Ich bin dadurch auch in vielen Dingen viel lockerer geworden. Und ich habe meine Kinder nochmal von einer ganz anderen Seite kennen gelernt. Weil eigentlich wollen die nicht gegen einen arbeiten. Und wenn man versteht, weshalb die jetzt nicht aufstehen, anziehen etc. wollen, klingen die Begründungen für mich immer logisch… natürlich aus Kindersicht.
    Viele liebe Grüße. Paula

  9. An die „Phase“ erinnere ich mich nur zu gut! Sie endete damit, dass ich meinen jungen Mann dann irgendwann völlig entnervt im Schlafanzug in den Kindergarten gebracht habe! Und keine Panik: Es ist wirklich nur eine Phase ! 🙂

  10. Also erstmal: ich liebe die Stoffe von paapii design auch so sehr und bin ganz deiner Meinung, dass sie ohne Tüdelkram am besten zur Geltung kommen.
    Und was dein kleines Mädchen angeht, da bist du nicht allein ;). Wie soll man den Mäusen auch erklären, was Zeitdruck ist und warum man zur Arbeit muss, wenn es grad viel wichtiger ist, die Püppi anzuziehen, Kuchen für Mama und Papa in der Kinderküche zu kochen oder zusammen mit dem Teddy ein Buch anzugucken? So schwer es im Alltag manchmal ist, wir sollten uns wohl mehr von der Unbeschwertheit unserer Kinder abschauen :).

    Liebe Grüße von Katja zu Katja 🙂

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