Filzmaschine im Test – Welche Stoffe eignen sich?

Von | 2017-03-04T23:28:02+00:00 Februar 6th, 2017|Nähen|0 Kommentare

Filzmaschine im Test

Beim Treffen der nähenden Blogger aus Rhein-Main bei der Nähwelt Flach in Aschaffenburg durfte ich mir spontan eine Filzmaschine ausleihen. Im Workshop hat mir die Merrylock SP-1000 so gut gefallen und ich wollte unbedingt ausprobieren, ob Sophia mit ihren Dreieinhalb – fast 4 Jahren – damit auch Spaß haben könnte. Außerdem möchte ich testen, ob so eine Filzmaschine für mich als eingefleischten Klamottennäher einen Mehrwert bringt. Das man mit einer Filzmaschine sehr coole und ziemlich künstlerische Sachen anstellen kann ist klar, aber kann ich das auch für meine Art Kleidung – besonders Kinderkleidung – zu nähen anwenden bzw. integrieren?

Im Workshop bei der Nähwelt Flach konnten wir direkt loslegen, auf vorgeschnittenen Fleece Stücken die wir zuhause zu Armstulpen/Pulswärmern zusammennähen sollten. Eine Vielzahl an ausgestanzten Filzmotiven, Märchenwolle, Wolle und sonstigen Metallicfäden stand für uns bereit und wir klemmten mutig alles unter die Maschine.

 

Die Filzmaschine

Eine Filzmaschine sieht im ersten Moment aus, wie eine Nähmaschine. Doch dann fällt auf: Die ist ja nackig! Kein Platz für eine Garnrolle, ganz glatt obenrum. Nix mit einfädeln! Der Blick fällt auf das „Füßchen“, beziehungsweise nicht. Denn ausser einem durchsichtigen Fingerschutz ist da nichts. Nur die Nadel – haha von wegen. Da hängt eine ganze Einheit die bei dem von mir getesteten Modell ganze 5 Nadeln fasst. Und zwar Filznadeln. Die unterscheiden sich erheblich von normalen Nähmaschinennadeln. Zum ersten haben sie natürlich kein Öhr, denn es muss ja kein Faden durch. Sie sind ausserdem dicker und mit Widerhaken besetzt. Denn beim Filzen sticht die Nadel das aufgelegte Material durch auf die Unterseite, und mit den Widerhaken holt es alles dann wieder hoch. Dadurch werden die Materialien geradezu miteinander verschmolzen.

 

Verschmelzen tun natürlich nicht alle Materialien miteinander, es kommt ganz auf die Beschaffenheit an. Es lassen sich beispielsweise Farbverläufe erzielen wenn man Märchenwolle fast eben einfilzt. Aufgelegte Filzstücke bleiben von der Farbe her sehr intensiv auf der Oberseite – und auf der Unterseite scheinen sie auch durch! Auch diese Eigenschaft kann für die Gestaltung genutzt werden. Andere Materialien liegen einfach nur auf, wie zum Beispiel Metallicwollfäden – wie auch immer die korrekte Bezeichnung sein mag. Man kann also mit Materialien, Strukturen und Farben richtig toll spielen beim Maschinenfilzen.

Filzen kannte ich zuvor nur von solchen gefilzten Figuren, oder von irgendwie bunter Kleidung aus Walk und Wolle die auf Handarbeitsmärkten verkauft wird. Oder solche Filztaschen. Wisst ihr was ich meine? Meist florale Muster drauf. Oder so gefilzte Blüten an exzentrischen Hüten! Ich schaue mir diese Sachen immer auf den Märkten an und finde sie irgendwie ansprechend, aber zu mir passt das vom Stil her keinen Meter. Ich will nun also mit diesem Filzmaschinentest herausfinden, ob da für mich und meinen Kleidungsstil ein Mehrwert entsteht. Die von mir getestete Merrylock SP-1000 kostet bei der Nähwelt Flach übrigens 199,-€, nur damit ihr mal eine Vorstellung habt, wo wir uns hier grade bewegen. Es ist ein günstiges Modell, nach oben ist da natürlich alles offen.

Der erste Test mit verschiedenen Stoffqualitäten

In einem ersten Testlauf habe ich mir nun im Nähkeller mal meine Restekiste vorgenommen, ein paar Stückchen von ganz verschiedenen Stoffqualitäten heraus gesucht und unter die Filzmaschine geklemmt um zu sehen, was passiert. Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob und wenn ja welche verschiedenen Qualitäten geeignet sind. Mir schwebte zum Beispiel vor, auf Jersey etwas drauf zu filzen und daraus beispielsweise ein Shirt zu nähen. Geht das? Oder auf Jeans hübsche Blumen drauf filzen und dann einen Rock daraus zaubern! Und was ist mit SnapPap?!

 

Jersey

Die Einstiche sind stark zu sehen, der Stoff ist regelrecht zum löchrigen Käse geworden. Nicht wirklich überraschend: Zum vernähen von Jersey werden Jerseynadeln empfohlen, mit einer runden Spitze. Diese schieben die Maschen auf die Seite statt sie durch zu pieksen, was dem Jersey wesentlich besser bekommt. Und nun hämmert man mit rasender Geschwindigkeit und schön kreisend 5 dicke Nadeln mit Widerhaken durch! Klar, das geht in die Hose. Wenn man das Probestück etwas dehnt, sieht man, dass der Stoff ziemlich zerstört ist. Als Basisstoff um etwas drauf zu filzen scheint mir das ungeeignet.

Sweat

Etwas dicker und vermeintlich robuster als Jersey, aber leider nimmt auch Sweat die Sache mit den 5 dicken und mit Widerhaken besetzten Filznadeln eher übel. Einstiche sind definitiv zu sehen, wenn auch auf dem Foto nicht gut eingefangen da das Probestück meliert ist und ich die linke Stoffseite versehentlich als Oberseite verwendet habe.

Nicki

Nicki sieht nach der Behandlung mit der Filzmaschine ziemlich gerupft aus. Als Basisstoff würde ich den auch ausschließen. Die schöne weiche samtige Oberfläche ist danach doch ziemlich malträtiert.

Fleece

Keine Einstichlöcher zusehen, das taugt definitiv als Basisstoff. Mehr gibts dazu nicht zu sagen, oder? Doch, die Blume da, die hat Sophia aufgefilzt! Hat sie doch toll gemacht oder?

Filz

Genauso wie Fleece eignet sich Filz hervorragend als Basis. (Die Löcher auf dem roten Filzstück müsste man noch etwas „kämmen“)

Feincord

Auch hier sieht man stark die Einstichlöcher und die Rippen sind ziemlich zerrupft. Ich weiß nicht, ob sich Breitcord da anders verhält oder ich nur einen sensiblen Feincord hatte… diesen würde ich jedenfalls als Basisstoff aussortieren.

Canvas

Canvas soll eigentlich als Basisstoff gut geeignet sein und mein Canvas sah danach zwar nicht aus wie ein löchriger Käse, aber gefallen hat es mir nicht. Die Einstiche sind auf jeden Fall zu sehen. Bestimmt gibt es aber da auch andere Canvas, die vielleicht die Nadelbehandlung besser wegstecken?

Baumwollwebware

Das Stück Webware war recht durchlöchert. Als Basisstoff würde ich sie ausschließen, zumal das aufgefilzte ja auch dann sein Gewicht hat und je nachdem recht dick wird. Eine normale Baumwollwebware ist da gefühlt eher zu dünn.

Feine Webware

Feine Webware wird natürlich durch die Nadeln mit den Widerhaken sehr malträtiert. Mein erster Gedanke war: Ok, kaputt. Inzwischen habe ich mir einige Videos angesehen und da werden ziemlich coole Effekte erzielt, indem man ein Band aus feinem Stoff mittig „anfilzt“. Dort rafft und kräuselt es sich natürlich zusammen, und die Ränder stehen dann nach oben. Das Ganze ergibt also ein mittig festgefilztes Rüschenband! Das muss ich unbedingt noch ausprobieren. Als Basisstoff sind so feine Stöffchen wie Viskose Webware oder ähnliches aber meiner Meinung nach nicht geeignet.

SnapPap

Natürlich musste ich auch ein Stück waschbares veganes Leder unter die Nadeln legen. Erste Erkenntnis: Geht nicht! Nämlich die Nadeln nicht durch. Das Material ist einfach zu dicht und zu fest. Ich habe ganz vorsichtig und langsam mit dem Handrad einmal die Nadeln durch stechen lassen. Wie zu Erwarten war, haben die Nadeln das SnapPap einfach nur perforiert und man sieht 5 kleine Löcher. Da lässt sich nichts auffilzen, weil SnapPap einfach nicht verfilzt und das aufgelegte Material nicht „fest hält“!

Jeans

Auf Jeans lies sich mein Filzstückchen gut aufbringen und auch die Märchenwolle hält gut. Jeans ist also als Basis gut geeignet! Ich habe auch interessante Videos gefunden bei denen von links ein Muster entlang getackert wird. Von der rechten Seite sieht es dann weißlich aus, eine Art embellishment im destroyed look. Witzig! Werde ich auch noch ausprobieren.

 Walk

Habe ich nicht in meiner Restekiste und habe ich auch noch nie vernäht. Walk sollte aber anstandslos funktionieren, wenn ich so an die Handarbeitsmärkte mit den befilzten Walkjacken denke. Mir schwebt da ein süßer Babyoverall vor, in blau, mit Pusteblumen oder so drauf gefilzt! Ob ich wohl Pusteblumen hin bekomme?!

Fazit

Das, was ich eigentlich im Kopf hatte, als ich die Filzmaschine eingepackt habe – nämlich auf Jersey zu filzen – scheint so wohl nicht zu funktionieren. Dafür habe ich nun nach dem ersten Test einige Ideen. Ich möchte unbedingt die Sache mit Jeans ausprobieren und irgendwo eine Rüsche auffilzen. Ausserdem reizt mich ein Walkanzug, das Schnittmuster ist sogar schon gedruckt! Ich hoffe ich finde die Zeit dazu, das ist ja immer das Problem.

Habt ihr schon mal an einer Filzmaschine gesessen oder anderweitig gefilzt?

Über den Autor:

Ich heiße Katja und lebe mit Mann und meinen Kindern Sophia (*2013) und Alex (*2016) im Rhein-Main-Gebiet. Auf meinem Blog schreibe ich über unser Familienleben, das Mama-sein, Reisen und Ausflugstipps mit kleinen Kindern sowie natürlich über das Nähen. Du findest bei mir Inspiration, Witz, Unterhaltung und Freebooks!

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